Offene Hamburger Seniorenmeisterschaft 2026

Rüdiger hat uns einen schönen Bericht von seiner Teilnahme an der Hamburger Seniorenmeisterschaft geschickt. Das Turnierergebnis und Berichte zu jeder Runde inkl. Partien sind unter hier zu finden.

Nachdem mir in diesem Jahr die Teilnahme an dem Seniorenmeisterschaften von Schleswig-Holstein in Büsum im September terminlich nicht passte, entschied ich mich erstmals, an den vom 24.10.-01.11.2026 stattfindenden Meisterschaften in Hamburg teilzunehmen.

Das Turnier fand im Vereinsheim des SC Königsspringer statt und war aufgrund der räumlichen Gegebenheiten dort auf 68 Teilnehmer beschränkt. Zunächst gab es noch eine Nachrückerliste, letztendlich sagten jedoch noch einige Spieler ihre Teilnahme ab, so dass nur 63 Spieler das Turnier beendeten. Die Versorgung mit Kaffee, Getränken und Brötchen war ausgezeichnet und sehr preiswert.

Auch wenn es im Spiellokal etwas eng war, fand ich die Atmosphäre sehr angenehm, wobei mir besonders die Tatsache gefiel, dass an allen 34 Tischen mit Holzbrettern und Holzfiguren gespielt wurde.

Die letzten vier Jahre gewann jeweils FM Hauke Reddmann das Turnier. In diesem Jahr hatte er mit IM Chevelevitch, der die Setzrangliste mit über 2200 ELO anführte, und FM Zieher namhafte Konkurrenz. Ich war an Position 18 gesetzt und hoffte auf ein gutes Gesamtergebnis und den ein oder anderen Coup gegen einen höher eingestuften Spieler.

Am Ende konnte ich meine Ziele mit 5,5/9 erreichen, auch wenn sicherlich deutlich mehr möglich gewesen wäre. Andererseits hätte ich mit ein wenig Pech auch erheblich schlechter abschneiden können. Insofern bin ich mit dem Gesamtergebnis sehr zufrieden.

Mit Weiß blieb ich in vier Spielen ungeschlagen, landete drei Siege gegen nominell etwas schwächere Gegner und ein beachtliches Remis gegen FM Hauke Reddmann in der siebten Runde. Die Bilanz mit Schwarz fiel deutlich schlechter aus. In fünf Spielen konnte ich nur einmal gewinnen, spielte zweimal Remis und verlor zwei Partien.

Die erste Niederlage gegen den topgesetzten IM Chevelevitch mit über 2200 ELO in Runde 2 war sicherlich keine Überraschung. Ich kam ganz gut aus der Eröffnung und es gelang mir sogar, einen meiner Springer zentral auf d5 zu positionieren. Damit mein Gegner diesen nicht so einfach vertreiben konnte, entschied ich mich mutig zu spielen und zog b5. Wie mir der IM im Nachgang allerdings sagte, war das wohl „zu optimistisch“. Der Nachteil meines Zuges war ein Loch in meiner Stellung auf c5, in das der IM seinen Springer gerne überführte. Dann folgte eine schöne Kombination mit einem Turmopfer im 21. Zug, das mir leider völlig entgangen war.

FM Reddmann schrieb in seinem launigen Kommentar zu dieser Runde, dass er meine Stellung bereits im 19. Zug, noch bei gleicher Materialverteilung, aufgegeben hätte. Ich gab jedenfalls nicht so schnell auf, wie FM Reddmann es getan hätte, immerhin hatte ich ja „nur“ einen Bauern weniger, sondern quälte mich und vermutlich auch den IM noch bis zum 43. Zug. Ich hatte immer noch die leise Hoffnung, ich könnte mit Dame und Läufer gegen Dame und Springer irgendwie ein Dauerschach auf den schwarzen Feldern organisieren, aber dies ließ mein Gegner natürlich nicht zu.

Der eine Sieg mit Schwarz gegen den an 9 gesetzten Peter Knops war jedoch so eine positive Überraschung, wie ich sie mir gewünscht hatte. Ich hatte zwischenzeitlich eine ganze Figur mehr und landete in einem Endspiel mit Läufer, Springer und 3 Bauern gegen Turm und 4 Bauern, welches ich nach einigen Zeitnotfehlern tatsächlich gewinnen konnte.

Als ich mit 5/7 mit Schwarz in der 8. Runde an Brett 4 einen nominell gleichstarken Gegner zugelost bekam, sah ich plötzlich die Chance, in dem Turnier um einen Podestplatz mitspielen zu können, und plötzlich war ich richtig nervös. In der Folge lief ich meinem Gegner in eine Eröffnungsfalle, die ich zugegebenermaßen nicht kannte, und die mich einen wichtigen Bauern kostete. Ich hoffte noch, mit Minusbauern Remis halten zu können, aber mein Gegner hat das gut gespielt und ich musste nach knapp 5 Stunden die Partie aufgeben.

In der letzten Runde kam es zu einigen schnellen Remisen, unter anderem kam auch mein Gegner aus der 8. Runde an Brett 1 in den Genuss eines Kurzremis gegen IM Chevelevitch, der damit seinen Turniersieg absicherte.

Ich ging natürlich etwas frustriert in die letzte Runde. Ich hatte eigentlich gehofft, wieder mit Weiß spielen zu können, aber das klappte leider nicht. Stattdessen hatte ich erneut Schwarz und musste gegen den an 10 gesetzten Franz-Jürgen Schell antreten.

Die Partie war ein wildes auf und ab und zudem die längste Partie des Tages, was die Siegerehrung deutlich verzögerte. Ein Remisangebot von mir im 21. Zug lehnte mein Gegner ab. In der chaotischen Phase vor dem 40. Zug übersah ich eine Gewinnfortsetzung bzw. ich sah sie zwar noch, aber einen Zug zu spät. Dann gewann mein Gegner einen wichtigen Bauern, sah schon wie der sichere Sieger aus, bevor er im 40. Zug einen Fehler machte, den ich glücklicherweise auch sah und ausnutzten konnte.

Dadurch erreichte ich ein Endspiel mit Dame und Turm gegen Dame und Läufer sowie 4 bzw. 5 Bauern auf beiden Flügeln. Jetzt suchte ich verzweifelt nach der Gewinnmöglichkeit, war wieder einmal zu „optimistisch“ und vernachlässigte die Möglichkeiten der weißen Seite. Zwei Züge lang hätte mein Gegner mich dreizügig Matt setzen können, sah die Kombination aber glücklicherweise auch nicht! Danach konnte ich die Situation bereinigen und wir einigten uns schließlich doch noch auf Remis im 53. Zug, da für beide Seiten nichts mehr ging.

Hamburg war wirklich eine Reise wert. Wir hatten ein schönes Apartment in Altona mit Blick auf die Elbe. Die vorbeifahrenden Containerriesen und einige Kreuzfahrer waren wirklich spektakulär.

Nächstes Jahr sucht der Hamburger Schachverband ein neues Spiellokal, um die Teilnehmerzahl auf mindestens 100 anheben zu können. Ich kann das zwar nachvollziehen, hätte persönlich aber lieber noch einmal beim SC Königsspringer gespielt. Das HSenEM-Orga-Team, bestehend aus den beiden Schiedsrichtern Hugo Schulz und Martin Bierwald, die das wirklich sehr gut gemacht haben, hört leider ebenfalls in diesem Jahr auf.