Gipfel? Wo? - André und Hubert beim deutschen Schachgipfel

Hubert hat uns einen Bericht vom Schachgipfel aus Dresden geschickt:

Nachdem ich bei meiner Ankunft herzliche Grüße vom deutschen Schachgipfel versendet hatte, bekam ich von einigen Schachfreunden aufmunternde Worte für meine bevorstehende „Gipfelbesteigung“. Doch wie jemand, der den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, fand ich den „Gipfel“ vor lauter Brettern nicht. Insgesamt 151 Bretter bei über 300 Teilnehmern waren es allein bei den deutschen Senioreneinzelmeisterschaften in den Altersgruppen 50+ und 65+. Daneben fanden beim vom 17.07.2026 bis 26.07.2026 stattfindenden Schachgipfel weitere zahlreiche deutsche Meisterschaften in dem großen Kongresszentrum Dresden statt, das bereits Austragungsstätte der Schach-Olympiade 2008 war und hervorragende Spielbedingungen bot. So fanden in mehreren Sälen des Kongresszentrums Meisterschaften im Schnellschach bei den Senioren, im Blitzschach bei den Senioren und Nichtsenioren, die deutschen Meisterschaften bei den Herren und Damen, ein Kandidatenturnier, die deutschen Meisterschaften in der Kategorie „960“ und im Inklusionsschach sowie die Endrunden der deutschen Pokalmeisterschaft und der deutschen Amateurmeisterschaft statt. Bei so vielen Brettern kann man schon mal die Orientierung verlieren. Während ich es bei vergangenen Turnieren mühelos geschafft habe, mir meine Brettzahl für meine kommende Partie am nächsten Tag zu merken, musste ich regelmäßig vor meinen Partien nochmals einen Blick in die Paarungsliste werfen. Bei einem nunmehr fortgeschrittenen Alter von fast 65 Jahren, kann ich mir eine so große Zahl wie 92 wie in Runde 2 nicht mehr bis zum nächsten Morgen merken. Das die Brettzahl mit zunehmenden Turnierverlauf kleiner wurde, ließ mich erahnen, dass ich dem Gipfel näherkam, ohne das Gipfelkreuz bei dem Turnier je gesehen zu haben.

Mit Jahrgang 1961 nahm ich erstmals bei den Senioren der Gruppe 65+ teil. An den ersten Tagen nahm ich an dem zu den Seniorenmeisterschaften am Nachmittag parallel verlaufenden Schnellturnier teil. Mit Startrang 51 ins Turnier gegangen, beendete ich das Turnier mit 5 Punkten bei 4 Siegen auf einem sehr erfreulichen 28. Platz und konnte mit Ferdinand Schlierkamp und WFM Jana Steinberg immerhin zwei Spieler mit einer Elozahl über 2200 Punkten schlagen. Ein Eloplus von 44 war schon einmal ein ganz aufmunterndes Ergebnis für den weiteren Verlauf bei der Meisterschaft der Langpartien. Der Verlauf dieses Turnieres ist schnell erzählt. Ich startete mit 2 Siegen und 2 Niederlagen gegen jeweils Gegner mit einer schlechteren bzw. besseren Elozahl und lag damit im grünen Bereich. In der 5. Runde konnte ich mit Schwarz mit dem Husumer Holger Ohst einen Gegner mit einer um etwas mehr als 100 Elopunkte höheren Zahl schlagen, worauf ich mich erstmals in ein Stimmungshoch katapultierte. Dieses neu gewonnene Selbstvertrauen setzte ich in der 6. Runde gegen den Kieler Joachim Kornrumpf, ein ehemaliger Bundesligaspieler, ein. Ich legte die Partie voll auf Gewinn an und schrubbte mit Weiß in einem Sizilianer meine Bauern am Königsflügel gnadenlos nach vorn, rochierte kurz und bekam eine Stellung, die eine gute Gewinnchance bot. Doch ich verlor in 49 Zügen. Turniertaktisch war das eingegangene Risiko ziemlich unklug und ich ärgerte mich über mein ungestümes Verhalten. Es waren harte, schonungslose Maßnahmen angesagt. Der „Schuldige“ war schnell gefunden. Es war das falsche Hemd. Es wurde das Großmeisterbesiegerhemd aus dem Schrank geholt. Das Hemd mit dem ich vor zwei Jahren GM Legky schlug und mit dem ich schon einige Remis gegen IM´s erzielt habe. Mein Hemd für besondere Aufgaben, quasi der 007 meiner Hemden. Normalerweise wird dieses nur bei Gegnern eingesetzt, die mindestens einen IM-Titel haben. Jetzt wartete ein Gegner mit einer Elozahl mit 2058 ohne Titel auf mich. Quasi ein kleiner Fisch für dieses Hemd. Es zeigte Wirkung. Nach 10 Zügen nahm ich das Remisangebot meines Gegners mit Schwarz mit 2.0 Computereinschätzung für mich an. Der nächste Tag lief noch besser. Mein Gegner, Elo 2020, gab nach 8 Zügen auf. Ich hatte somit, dank „007“, 1,5 Punkte mit 18 Zügen gemacht! Das soll mal einer nachmachen. Doch in der Schussrunde wartete das „Ruhrgebietsurgestein“ FM Willy Rosen auf mich. Eine harte Nuss, der mit 93 Jahren immer noch eine scharfe Klinge führt. Das bekam ich zu spüren. Er griff mit Schwarz an und spielte auf Matt. Ich wehrte mich und spielte ebenso auf Matt. Nachdem der Rauch verflogen war, hatte ich bei Turm gegen Läufer eine Qualität mehr. Der Altmeister musste mir die Hand zur Aufgabe reichen. Ein schöner Abschluss dieses Turnieres. Mit 5,5 Punkten und 5 Siegen beendete ich mit Startrang 135 ins Turnier gegangen auf Rang 49 das Turnier und gewann den 1. Ratingpreis in der Kategorie TWZ<2000.

Ebenso Großartiges leistete André bei der Endrunde der Deutschen Blitzeinzelmeisterschaften. André hatte sich mit seinen Erfolgen bei der Schleswig-Holsteinischen Landesmeisterschaft und der Norddeutschen Meisterschaft die Teilnahme an der Endrunde redlich verdient. Er ging mit Startrang 19 von 30 Teilnehmern in dieses erlesene Feld. Nach 4 Niederlagen zum Auftakt setzte er in Runde 5 zu einem Zwischenspurt an, indem er zunächst IM Christian Richter und danach GM Dennis Wagner Matt setzte. Nach 17 Runden hatte er 6,5 Pkt. und war voll im Turnier angekommen. Am Ende hatte André 11,5 Punkte aus 29 Partien auf seinem Konto und wurde 25. Eine sehr respektable Leistung in diesem starken Feld.

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