Schach ist Glücksspiel

Vom Turnier in Bregenz hat uns Hubert einen Bericht geschickt:

„Schachspiel ist Glücksspiel“ pflegte unser Altmeister Heinz Selke immer zu sagen, wenn eine Partie einen nach dem Verlauf überraschenden Ausgang nahm. Volker
gab er häufig den Rat nicht den besten, sondern den zweitbesten Zug zu machen und wenn ich ihn aus seiner Eutiner Wohnung zum Schachabend abholte, wünschte
seine Frau ganz wie beim Kegeln immer: „Na, dann mal gut Holz“. Solche Weisheiten und Ratschläge sind immer ganz passend wie „der Ball ist rund“ und „das Runde
muss ins Eckige“.
Vom 10. Mai bis zum 17. Mai 2026 nahm ich wie im letzten Jahr an dem 10. Bodensee- Seniorenopen in Bregenz teil. An das Turnier im letzten Jahr habe ich
gute Erinnerungen. Ich startete mit 3 aus 3 und konnte am Ende nach 7 Runden ohne Niederlage mit 5 Punkten als Achter einige Titelträger hinter mir lassen.
Seitdem hat mich das „Glück“ verlassen und es gab seitdem nur noch bescheidene Turnierergebnisse. Dann ist Bregenz wohl ein „gutes Pflaster“, sagte mein
Wohnungsvermieter vor dem Turnier zu mir, als ich ihm von meinem Turnier im letzten Jahr in Bregenz erzählte. Tatsächlich machte ich mir Hoffnungen in Bregenz
wieder ein gutes Turnier zu spielen.
Das Turnier war wie in den Vorjahren international und mit vielen Titelträgern stark besetzt. Ich ging mit Startplatz 30 von 100 Teilnehmern in das Turnier und erwischte
mit einem Pflichtsieg einen guten Start. In Runde 2 hatte ich den belgischen FM Johan Goormachtigh als Gegner. Nach einer mehrzügigen Abwicklung kam ich mit
Minusbauern aus dieser heraus, wofür ich jedoch aufgrund der besseren Entwicklung und Druckspiel auf dem Damenflügel ausreichend Kompensation hatte. Die Partie
endete nach einer Zugwiederholung Remis. Zur „Belohnung“ bekam ich in Runde 3 die Nummer 1 des Turniers IM Henryk Dobosz, Elo 2310, zugelost. Ich spielte eine
gute Partie, hatte die etwas bessere Stellung und deutlich mehr Zeit. Leider ging ich zu sorglos mit diesem Zeitvorteil um und verbrauchte für naheliegende Züge zu viel
Zeit. Kurz vor der Zeitkontrolle verlor ich bei nun schon knapper Zeit einen Bauern, der mich auf die Verliererstraße brachte. Die 4. Runde brachte dann zu meinen
Ungunsten die Turnierwende. Ich hatte bei entgegengesetzten Rochaden mit Schwarz am Damenflügel einen guten Angriff bei geöffneter b-Linie und konnte mit
meinem Turm auf die 2. Reihe kommen. Doch auch mein Schweizer Gegner hatte am Königsflügel Angriff und nach einer Abwicklung kam ich mit einem Mehrbauern
heraus, was ich als vorteilhaft einschätzte, tatsächlich war jedoch die Stellung ausgeglichen. Ich lehnte ein Remis ab und verlor, da ich die Möglichkeiten meines
Gegners unterschätzte. Ich brauchte nun in der 5. Runde einen Sieg. Ich konnte mit Weiß im Königsspringerspiel im Caro-Kann bei wiederum entgegengesetzten
Rochaden mit einem Bauernopfer die g-Linie öffnen und bekam eine Gewinnstellung, die ich jedoch nicht gewinnen konnte. Die Partie endete Remis. In der 6. Runde
mühte ich mich in 64 Zügen zu einem Pflichtsieg und bekam auch in der Schlussrunde einen schlagbaren Gegner zugelost. In einem Holländer bekam ich
eine leicht bessere Stellung bei geöffneter f-Linie. Durch eine Unachtsamkeit verlor ich einen Bauern, was für mich zu einer schlechteren Stellung führte. Doch ich
kämpfte und erreichte nach 33. cxb6 folgende Stellung:

Dia1.png

Die Stellung ist äußerst misslich. Die weißen Freibauern auf d6, b6 und a4 sind sehr gefährlich. Aber auch ich verfüge mit den Bauern auf d4 und b4 über gefährliche
Freibauern. Ich entschloss mich, konsequent auf diese Freibauern zu setzen.
33...Lxd6 34.Tc6 b3 35.Txd6 Txd6 36.Sxd6 d3 37.Se4 Tc8 38.Tb1

Dia2.png

Immerhin habe ich die Bauern jetzt schon auf Kosten einer Figur nach b3 und d3 gebracht. Mein Plan war nun d2 zu spielen, um Tc1 folgen zu lassen. Aber solange
der Springer das Feld d2 kontrolliert, geht das nicht. Auf Lf5 oder Ld5 sind Springergabeln auf f6 und d6. Ich entschloss mich mit Ld5 den Läufer zu opfern, um
d2 spielen zu können.

38...Ld5 [Die Engine riecht den Braten und hält Lf1 für den stärksten Zug]
39.Sf6+ Kf7 40.Sxd5 d2 41.Td1?  [Sc7 oder Se3 hätte den großen Vorteil gehalten.]
[41.Sc7!; 41.Se3]
41...Tc1 42.Sc3 b2 43.b7

Dia3.png

Geschafft! Auf Kosten beider Läufer habe ich die Bauern nach d2 und b2 gebracht. Aber der Gegenüber benötigt auch nur noch einen Schritt zur Umwandlung.]
43...Txd1+ 44.Sxd1 b1D 45.Lf1 Dxb7 46.Lb5 Dxf3 47.Lc4+ [und Weiß gab auf. Heinz Selke würde sagen: "Schach ist Glücksspiel"]
0–1


Das Turnier gewann der Farörer IM John Rodgaard vor dem Tschechen FM Jan Bartos, jeweils 6 Punkte und dem Polen IM Henryk Dobosz mit 5,5 Punkten. Ich kam
mit 4 Punkten auf Platz 35 und konnte nach einem Jahr zum ersten Mal ein Elo-Plus von 0,1 Punkten erzielen. Es geht aufwärts!

Drittes Schnellschachturnier

Rolf hat die Tabelle und eine Bericht vom 3. Schnellschachturnier geschrieben:

Mit starker Beteiligung fand das dritte Schnellschachturnier der Saison statt. Nicht unerwartet gewann André souverän und ohne Punktverlust. Auf den folgenden Plätzen ging es knapp und spannend zu (siehe Tabelle).
In der Gesamtwertung führt Rüdiger Richter mit 28 Punkten vor André Becker (24 Punkte), Rolf Bohl (21) und Volker Gülke (20). Das vierte und letzte Schnellschachturnier am 18.6.26 verspricht also noch einmal einen spannenden Kampf um den Titel des Schnellschachmeisters der Saison.

Tabelle_Schnell3.png

Versöhnlicher Saisonabschluß

Über den heutigen letzten Spieltag der Saison 2025/26 habe ich folgenden Bericht an den reporter geschickt, der hoffentlich in der kommenden Woche erscheinen wird:

Über gleich fünf der zehn Mannschaften in der Verbandsliga B schwebte vor der neunten und letzten Runde noch das Damokles-Schwert des Abstiegs. Dazu gehörten neben der Mannschaft des Eutiner Schachvereins auch deren Letztrundengegner Tura Harksheide. Während Harksheide zwingend einen Sieg brauchte, um den Klassenerhalt zu sichern, reichte den Rosenstädtern bereits zwei Brettpunkte, um dieses Ziel zu erreichen.

Die Aufstelllung der Harksheider machte deutlich, um was es ging: Mit der polnischen Damen-Großmeisterin Julia Antolak, die sonst nur in der Damenbundesliga für Harksheide antritt, am Spitzenbrett und dem sonst nur bei Heimspielen agierenden Christian Schmidt an Brett 3 sollten die nötigen Punkte geholt werden.

Doch die Eutiner Schachsportler wollten sich so einfach nicht geschlagen geben. Nach ca. 2 Stunden Spielzeit endete die erste Partie. Jan Haserodt konnte einer Zugwiederholung und dem daraus resultierenden Remis nicht ausweichen. Kurz darauf folgte das nächste Remis: Frank Schmidt, nach längerer Abstinenz wieder für Eutin am Brett, stellte in ausgeglichener Stellung Gewinnversuche ein.

Dann das erste Ausrufezeichen der Eutiner: André Becker konnte am Spitzenbrett mit den schwarzen Steinen eine souveräne Punkteteilung erreichen.

Auch das vierte Resultat war ein Unentschieden, diesmal von Volker Gülke. Damit hatten die Eutiner ihr Minimalziel von zwei Brettpunkten bereits erreicht und konnten dem weiteren Geschehen etwas gelassener entgegenblicken. Und was man erblickte, war mehr als positiv: Thomas Hartwig konnte sich aus einer schwierigen Lage nicht nur befreien sondern führte nach einem voreiligen Damentausch seines Gegners das Endspiel zum Sieg und damit zur erstmaligen Führung für Eutin. Bald darauf erhöhte Rüdiger Richter auf 4:2. Trotz knapper Bedenkzeit umschiffte er sämtliche taktischen Klippen und steuerte einen ganzen Punkt bei.

Nun fehlte nur noch ein halber Punkt zum Gesamtsieg. Und den sicherte Rolf Bohl an Brett 3 durch eine großartige Endspielführung gegen seinen nominell deutlich stärkeren Gegner. Da tat die Niederlage von Rainer Gehrmann in der letzten noch laufenden Partie nicht mehr weh.

Durch diesen 4,5:3,5-Erfolg beenden die Eutiner Schachspieler die Saison auf dem fünften Platz mit einem ausgeglichenen Punktekonto von 9:9 Punkten. Nach dem miserablen Saisonstart mit drei Auftaktniederlagen und einem Unentschieden ein mehr als versöhnlicher Saisonabschluß.

Auch die zweite Eutiner Mannschaft beendete die Saison mit einem Erfolg: 2,5 : 1,5 hieß es am Ende gegen Trittau, wobei Torsten Begemann ein voller Punkt gelang. Die drei übrigen Partien endeten remis. Leider reichte es nicht ganz zum ersten Platz in der Kreisklasse A, da Norderstedt III mit einem 2:2 in der Schlußrunde gegen Kaltenkirchen II den Spitzenplatz knapp behaupten konnte.

Eutiner Denksportler verlieren gegen starken Aufsteiger

Zu der Begegnung der achten Runde in der VL B hat Hubert einen Bericht geschrieben:

Mit einer 3:5 Niederlage beim starken Aufsteiger, den Schachfreunden Flintbek, mussten die Eutiner Denksportler die Heimreise antreten und unterlagen somit erstmals in diesem Jahr.

Bereits frühzeitig gerieten die Eutiner, die auf zwei ihrer Stammkräfte verzichten mussten, ins Hintertreffen. Nach einem Remis von André Becker gegen den Fidemeister Andreas Plüg am Spitzenbrett und einem Remis von Markus Heiden an Brett 3 musste Hubert Wegemund an Brett 2 seine Partie gegen seinen starken Gegner aufgeben, da das Schachmatt nur unter der Hergabe hohen Materialverlustes abwendbar gewesen wäre. Bald darauf einigte sich Rüdiger Richter am Brett 7 mit seinem Gegner auf Remis, so dass es nach 2 ½ Stunden Spielzeit 1,5:2,5 aus Sicht der Eutiner stand. Nach einem Remis von Rolf Bohl an Brett 4 entwickelten sich an den verbliebenen Brettern spannende Duelle mit ungleicher Materialverteilung. Kai Lippmann spielte an Brett 8 mit Läuferpaar und Springer bei 2 Minusbauern gegen Turm und Springer. Die Partie endete jedoch nach einer Zugwiederholung Remis, da beide Spieler nicht weiterkamen. Nun warfen alle Zuschauer die Blicke auf die verbliebenen Partien an Brett 5 und 6, an denen die Eutiner Olaf Töpper und Andreas Ulrich jeweils eine Qualität bei einem Minusbauern mehr hatten. Der Gegner von Olaf Töpper war mit Dame und Springer in die Stellung eingedrungen, was der Eutiner gut verteidigte und selbst nun mit Dame und Turm in die Stellung des Gegners einzudringen drohte. Nach einem erzwungen Damentausch war das Endspiel mit Turm gegen Springer keinesfalls besser für den Eutiner, da der Turm keine Aktivität entwickeln konnte und der gegnerische König aktiver war. Nachdem der Gegner einen Bauern in eine Dame umwandeln konnte, war die Partie und der Mannschaftskampf zu Ungunsten der Eutiner entschieden, worauf die letzte verbliebene Partie von Andreas Ulrich Remis gegeben wurde.

Nach dieser Niederlage verbleiben die Eutiner mit 7:9 Punkten weiterhin auf Platz 5 der Tabelle, benötigen jedoch am letzten Spieltag noch mindestens zwei Brettpunkte, um gesichert auch nächstes Jahr wieder in der zweithöchsten Spielklasse Schleswig-Holsteins mitspielen zu können. Neben dem bereits feststehenden Absteiger SV Bargteheide II können sowohl der Lübecker SV als Neunter der Tabelle mit 5 Punkten als auch der nächste Gegner der Eutiner, Tura Harksheide, als Achter mit 6 Punkten die Eutiner noch auf einen Abstiegsplatz verdrängen. Am 10. Mai im Riemannhaus Eutin geht es für die Rosenstädter nochmals um wichtige Punkte. Gäste sind herzlich willkommen!

 

Osterblitzturnier

Über den Verlauf des Osterblitzturniers am 9. April hat Rolf einen Bericht geschrieben und die Tabellen bereitgestellt:

Wieder einmal souverän gewann André am 9.4.26 das Osterblitzturnier. Mit großem Abstand zum Feld sicherten sich Volker und Constantin die Plätze zwei und drei. Harald spielte ein gutes Turnier und belegte am Ende Platz vier. Wirklich spannend war es nur in der unteren Tabellenhälfte.

Tabelle_Osterblitz.png

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