Gipfel? Wo? - André und Hubert beim deutschen Schachgipfel

Hubert hat uns einen Bericht vom Schachgipfel aus Dresden geschickt:

Nachdem ich bei meiner Ankunft herzliche Grüße vom deutschen Schachgipfel versendet hatte, bekam ich von einigen Schachfreunden aufmunternde Worte für meine bevorstehende „Gipfelbesteigung“. Doch wie jemand, der den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, fand ich den „Gipfel“ vor lauter Brettern nicht. Insgesamt 151 Bretter bei über 300 Teilnehmern waren es allein bei den deutschen Senioreneinzelmeisterschaften in den Altersgruppen 50+ und 65+. Daneben fanden beim vom 17.07.2026 bis 26.07.2026 stattfindenden Schachgipfel weitere zahlreiche deutsche Meisterschaften in dem großen Kongresszentrum Dresden statt, das bereits Austragungsstätte der Schach-Olympiade 2008 war und hervorragende Spielbedingungen bot. So fanden in mehreren Sälen des Kongresszentrums Meisterschaften im Schnellschach bei den Senioren, im Blitzschach bei den Senioren und Nichtsenioren, die deutschen Meisterschaften bei den Herren und Damen, ein Kandidatenturnier, die deutschen Meisterschaften in der Kategorie „960“ und im Inklusionsschach sowie die Endrunden der deutschen Pokalmeisterschaft und der deutschen Amateurmeisterschaft statt. Bei so vielen Brettern kann man schon mal die Orientierung verlieren. Während ich es bei vergangenen Turnieren mühelos geschafft habe, mir meine Brettzahl für meine kommende Partie am nächsten Tag zu merken, musste ich regelmäßig vor meinen Partien nochmals einen Blick in die Paarungsliste werfen. Bei einem nunmehr fortgeschrittenen Alter von fast 65 Jahren, kann ich mir eine so große Zahl wie 92 wie in Runde 2 nicht mehr bis zum nächsten Morgen merken. Das die Brettzahl mit zunehmenden Turnierverlauf kleiner wurde, ließ mich erahnen, dass ich dem Gipfel näherkam, ohne das Gipfelkreuz bei dem Turnier je gesehen zu haben.

Mit Jahrgang 1961 nahm ich erstmals bei den Senioren der Gruppe 65+ teil. An den ersten Tagen nahm ich an dem zu den Seniorenmeisterschaften am Nachmittag parallel verlaufenden Schnellturnier teil. Mit Startrang 51 ins Turnier gegangen, beendete ich das Turnier mit 5 Punkten bei 4 Siegen auf einem sehr erfreulichen 28. Platz und konnte mit Ferdinand Schlierkamp und WFM Jana Steinberg immerhin zwei Spieler mit einer Elozahl über 2200 Punkten schlagen. Ein Eloplus von 44 war schon einmal ein ganz aufmunterndes Ergebnis für den weiteren Verlauf bei der Meisterschaft der Langpartien. Der Verlauf dieses Turnieres ist schnell erzählt. Ich startete mit 2 Siegen und 2 Niederlagen gegen jeweils Gegner mit einer schlechteren bzw. besseren Elozahl und lag damit im grünen Bereich. In der 5. Runde konnte ich mit Schwarz mit dem Husumer Holger Ohst einen Gegner mit einer um etwas mehr als 100 Elopunkte höheren Zahl schlagen, worauf ich mich erstmals in ein Stimmungshoch katapultierte. Dieses neu gewonnene Selbstvertrauen setzte ich in der 6. Runde gegen den Kieler Joachim Kornrumpf, ein ehemaliger Bundesligaspieler, ein. Ich legte die Partie voll auf Gewinn an und schrubbte mit Weiß in einem Sizilianer meine Bauern am Königsflügel gnadenlos nach vorn, rochierte kurz und bekam eine Stellung, die eine gute Gewinnchance bot. Doch ich verlor in 49 Zügen. Turniertaktisch war das eingegangene Risiko ziemlich unklug und ich ärgerte mich über mein ungestümes Verhalten. Es waren harte, schonungslose Maßnahmen angesagt. Der „Schuldige“ war schnell gefunden. Es war das falsche Hemd. Es wurde das Großmeisterbesiegerhemd aus dem Schrank geholt. Das Hemd mit dem ich vor zwei Jahren GM Legky schlug und mit dem ich schon einige Remis gegen IM´s erzielt habe. Mein Hemd für besondere Aufgaben, quasi der 007 meiner Hemden. Normalerweise wird dieses nur bei Gegnern eingesetzt, die mindestens einen IM-Titel haben. Jetzt wartete ein Gegner mit einer Elozahl mit 2058 ohne Titel auf mich. Quasi ein kleiner Fisch für dieses Hemd. Es zeigte Wirkung. Nach 10 Zügen nahm ich das Remisangebot meines Gegners mit Schwarz mit 2.0 Computereinschätzung für mich an. Der nächste Tag lief noch besser. Mein Gegner, Elo 2020, gab nach 8 Zügen auf. Ich hatte somit, dank „007“, 1,5 Punkte mit 18 Zügen gemacht! Das soll mal einer nachmachen. Doch in der Schussrunde wartete das „Ruhrgebietsurgestein“ FM Willy Rosen auf mich. Eine harte Nuss, der mit 93 Jahren immer noch eine scharfe Klinge führt. Das bekam ich zu spüren. Er griff mit Schwarz an und spielte auf Matt. Ich wehrte mich und spielte ebenso auf Matt. Nachdem der Rauch verflogen war, hatte ich bei Turm gegen Läufer eine Qualität mehr. Der Altmeister musste mir die Hand zur Aufgabe reichen. Ein schöner Abschluss dieses Turnieres. Mit 5,5 Punkten und 5 Siegen beendete ich mit Startrang 135 ins Turnier gegangen auf Rang 49 das Turnier und gewann den 1. Ratingpreis in der Kategorie TWZ<2000.

Ebenso Großartiges leistete André bei der Endrunde der Deutschen Blitzeinzelmeisterschaften. André hatte sich mit seinen Erfolgen bei der Schleswig-Holsteinischen Landesmeisterschaft und der Norddeutschen Meisterschaft die Teilnahme an der Endrunde redlich verdient. Er ging mit Startrang 19 von 30 Teilnehmern in dieses erlesene Feld. Nach 4 Niederlagen zum Auftakt setzte er in Runde 5 zu einem Zwischenspurt an, indem er zunächst IM Christian Richter und danach GM Dennis Wagner Matt setzte. Nach 17 Runden hatte er 6,5 Pkt. und war voll im Turnier angekommen. Am Ende hatte André 11,5 Punkte aus 29 Partien auf seinem Konto und wurde 25. Eine sehr respektable Leistung in diesem starken Feld.

Die Vereinsmeister stehen fest!

Vereinsmeisterschaft

Ein erfreulich großes Teilnehmerfeld hatte sich für die Vereinsmeisterschaft 2025/26 angemeldet, so daß erstmals seit einigen Jahren wieder in zwei Gruppen gespielt wurde.

In der Meistergruppe kämpften acht Spieler um den Titel, darunter Vorjahressieger Markus Heiden und Neuzugang Rüdiger Richter. Mit Rolf Bohl, Constantin Bornschein und Rainer Gehrmann waren drei weitere etablierte Verbandsligaspieler am Start. Drei Stammspieler der zweiten Mannschaft, nämlich Torsten Begemann, Walter Fritzsche und Walter Wittchow wollten die nominellen Favoriten ärgern.

Die Erwartung auf einen angesichts des nominell sehr ausgeglichenen Teilnehmerfeldes spannenden Turnierverlauf wurden nicht enttäuscht.

Rüdiger überstand gleich in Runde 1 eine brenzlige Situation, als er in Gewinnstellung gegen Walter F. ein einzügiges Matt zuließ. Doch Walter übersah diese einmalige Chance und verlor.

Constantin ließ als erster der Favoriten Federn, als er in Runde 4 gegen Rüdiger verlor. In der sechsten Runde büßte Markus durch eine Niederlage gegen Rolf seine Chance auf Titelverteidigung ein.

Rainer blieb zwar bis zur letzten Runde ungeschlagen, streute aber zu viele Remis ein, um ganz oben eingreifen zu können.

Vor der letzten Runde lagen Rolf und Rüdiger mit 4 bzw. 4,5 Punkten an der Spitze. Rolf brauchte einen Sieg gegen Walter W. und mußte gleichzeitig auf einen Punktverlust von Rüdiger gegen Rainer hoffen.

Es entwickelten sich an beiden Brettern spannende Partien. Die Waagschale neigte sich zwischendurch zu Walter und Rainer. Doch Walter agierte in guter Stellung zu passiv und verlor schließlich im Endspiel. Rainer übersah derweil in einem Damenendspiel die Chance auf ein  Dauerschach und gab sich geschlagen.

Damit blieb die Reihenfolge an der Tabellenspitze unverändert, so daß Rüdiger Richter bei seiner ersten Teilnahme gleich seinen ersten Titel eines Vereinsmeisters sicherte. Herzlichen Glückwunsch!

Die weiteren Plazierungen sind der folgenden Tabelle zu entnehmen:

Tabelle_VM.png

Schnellschachmeisterschaft

Auch in der Jahreswertung der Schnellschachturnier war Spannung bis zum Schluß angesagt.

Rüdiger hatte in den beiden ersten Turnier je einen ersten und zweiten Platz belegt und sich so einen schönen Vorsprung auf die Verfolger erarbeitet, die teilweise nur eines der beiden Turniere bestritten hatten.

Auch nach dem dritten Turnier lag Rüdiger noch vorne. Allerdings hatte André durch seinen zweiten Turniersieg in Folge eigene Ansprüche angemeldet. Mit Rolf und Volker befanden sich zwei weitere Spieler in Lauerstellung und hofften auf einen Ausrutscher von André oder Rüdiger.

Im sehr stark besetzten vierten Turnier der Serie setzte sich André schließlich durch. Da Rüdiger „nur“ auf dem fünften Platz landete, konnte André sich auch in der Jahreswertung knapp an die Spitze setzen. Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Schnellschach-Titel!

Alle Ergebnisse sind der folgenden Tabelle zu entnehmen:

Tabelle_Schnell.png

Blitzschachmeisterschaft

Deutlich weniger spannend machte es André in seiner Paradedisziplin, dem Blitzschach. Fünf Siege in den fünf Einzelturnieren und 32,5 Punkte aus 33 Partien sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Angesichts der Resultate, die André in jüngster Zeit bei externen Blitzturnieren erzielt hat, kommt seine Dominanz nicht überraschen:

  • Zweiter bei der Landesmeisterschaft 2026 hinter IM Michael Kopylov vor FM Levi Malinowsky
  • Achter bei der Norddeutschen Meisterschaft 2026 bei 30 Teilnehmern
  • Sieger des Monatsblitz beim Lübecker SV vor u.a. IM Julian Plenca und FM Levi Malinowsky (Bericht auf der Homepage des LSV)

Den halben Punkt gegen André konnte Volker beim Osterblitz holen. Auch Volkers zweiter Platz in der Gesamtwertung war nie gefährdet. Rüdiger konnte auch beim Blitzen auf dem Treppchen landen und schließt damit mit je einem ersten, zweiten und dritten Platz in den Vereinsturnieren seine erste Saison im Eutiner Schachverein ab, Chapeau!

Hier alle Ergebnisse der fünf Blitzturniere:

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Unverhofft kommt oft

Den folgenden Bericht hat uns Hubert geschickt:

Das Sprichwort „Unverhofft kommt oft“ bedeutet, dass das Leben voller Überraschungen steckt und unerwartete Ereignisse oder Zufälle relativ häufig eintreffen, so die KI. Die Europameisterschaft der Senioren in Acqui Terme vom 02.06. bis 10.06.2026 war für mich ein Leben voller Überraschungen und unerwarteter Ereignisse.

Das Leben voller Überraschungen ging schon vor der 1. Runde los. Nachdem ich mir den Turniersaal am Tag vor der 1. Runde angesehen hatte, war klar: Damen und Herren spielen zusammen in einer Gruppe. Das heißt nach der bereits veröffentlichten Teilnehmerliste: 1. Runde gegen GM Ftacnik mit Schwarz! Die Vorbereitungen gegen Lubomir liefen auf Hochtouren. Doch dann: nix da! Damen und Herren spielen getrennt in 2 Gruppen. Damit rutschte ich als Vorletzter in die 1. Turniergruppe und hatte einen Italiener mit Elo 1521 in der 1. Runde. Die 2. Runde bescherte mir wieder einen Italiener, diesmal mit 2112 Elo. Nach einer Abwicklung in ein Doppelturmendspiel erstarrte ich in Passivität und verpasste den zum Ausgleich führenden Turmtausch im 34. Zug auf d6, weil ich der Meinung war, dass mein Gegner in die Stellung nicht eindringen kann, wenn ich stillhalte. Irrtum, ich verlor die Partie. Die nächste Überraschung folgte in Runde 3. Der nächste Italiener, diesmal elolos. Eine undankbare Aufgabe, weil die Partie nicht zur Auswertung kommt. Ich gewann etwas mühevoll mit Schwarz, nachdem ich frühzeitig überlegen stand. Die 4. Runde bescherte mir den Slowaken FM Milan Kolesar. Auch die Vorbereitung war für die Katz. Ich hatte mich auf die Tarrasch-Variante im Damengambit vorbereitet und fand mich dann im Damenindisch wieder. Den Dameninder behandelte ich schlecht. Ich stellte einen Bauern ein und versuchte dann mit einem Qualitätsopfer und einem Freibauern auf c2 eine Kompensation zu erzielen, aber mein Gegner behandelte das ganz routiniert. Er gab die Qualität zurück, sodass ich mich in einem hoffnungslosen Turmendspiel mit 2 Minusbauern wiederfand. In Runde 5 die nächste unangenehme Überraschung. Mit 2 aus 4 bekam ich wieder einen Italiener diesmal mit Elo 1522 zugelost. Mein Gegner hatte zuvor mit einem Sieg und 2 Remis gegen deutlich elostärkere Gegner bewiesen, dass er Schach spielen kann. Doch die Partie lief gut für mich. Mein Gegner „versuchte“ im Franzosen ein Figurengambit im 6. Zug, was sicher nicht in die Theoriebücher eingehen wird. Ich gewann den erwarteten Punkt, doch mein Eloschnitt war nun im Keller. Die nächste Überraschung dann in Runde 6. Vier Stunden Vorbereitung waren bereits im 1. Zug dahin. Mein Gegner, der Franzose Jean-Pierre Mailfert, Elo 2081, spielte nicht wie üblich Skandinavisch, sondern Nimzowitsch. Die Eröffnung behandelte ich nicht gut, hatte dann jedoch im Mittelspiel eine starke Phase und kam mit einem Mehrbauern in ein Turmendspiel, das ich bei Finden des  Zuges  g4+ im 42. Zug hätte gewinnen können.  Meine beste Partie des Turniers endete mit einem Remis. Auch die 7. Runde hatte eine Überraschung für mich bereit. Diesmal lief ich in eine Vorbereitung. Mein 85-jähriger Gegner, der Schweizer FM Peter Hohler, hatte für mich eine spezielle Variante im Holländer vorbereitet. Er blitzte die ersten Züge runter, während ich viel Zeit verbrauchte und mit einem Minusbauern ins Mittelspiel kam, für den ich nur sehr wenig Kompensation hatte. Doch irgendwie bekam ich die Kontrolle über die Partie und mein Gegner verbrauchte nun sehr viel Zeit und ich merkte, dass er keinen Plan fand, so hatte ich auf einmal ca. 20 Minuten mehr Zeit für die letzten 12 Züge, während mein Gegner nur noch 9 Minuten auf der Uhr hatte. Das nutzte ich für ein Remisangebot, was mein Gegner nach 3 Minuten annahm. Unverhofft kommt oft auch in der 8. Runde, diesmal für mich und meinen Gegner. Ich hatte mich auf das Damenspringerspiel im Caro-Kann vorbereitet. Mein belgischer Gegner Marcel Von Herck, Elo 2024, wählte jedoch Sizilianisch, was ich auch auf dem Schirm hatte. Ich wählte die Rossolimo-Variante, worauf mein Gegner nicht vorbereitet war. Nach zähem, strategisch geprägtem Mittelspiel, verflüchtigte sich die Stellung schnell und endete in einem Remis. In der 9. Runde lief ich wieder in Holländisch in eine vorbereitete Variante meines italienischen Gegners, Elo 2077, aus der ich nach der Eröffnung nicht gut herauskam. Am Ende musste ich meinem Gegner die Hand zur Aufgabe reichen, nachdem seine drei verbundenen Freibauern am Damenflügel schneller als meine Freibauern am Königsflügel waren.

Mit 4 ½ Punkten konnte ich als 59. mit Startplatz 61 zwar das vor dem Turnier gesetzte Ziel von 50% der Punkte erreichen, mit dem Ergebnis von -6 Elopunkten kann ich dennoch nicht zufrieden sein. Die Gewinnpartie gegen den elolosen Italiener in der 3. Runde kommt nicht zur Auswertung und meine Gegner in Runde 1 und Runde 5 mit jeweils knapp über 1.500 Elopunkten haben meinen Eloschnitt doch ziemlich heruntergerissen.

Trotz des nicht ganz zufriedenstellenden Turnierergebnisses habe ich zusammen mit meiner Ehefrau Barbara eine schöne Zeit in Acqui Terme gehabt. Wir wohnten auf einem nahegelegenen Weingut und wurden mit hervorragendem Wein und einigen Köstlichkeiten auf dem Weingut von Paolo Pizzorni (u. a. schwarze Trüffel gefunden vom Trüffelhund Nina) bestens versorgt. Das kühle Bad am Morgen im Schwimmingpool war die richtige Erfrischung für die dann täglich herrschenden sommerlichen Temperaturen von über 30 Grad. Die Spielbedingungen in der großen gekühlten Kongresshalle waren gut. Leider hat man an die Zuschauer und Begleitpersonen nicht gedacht und die Panoramahalle über dem Spielsaal, von der man die Partien hervorragend hätte verfolgen können, nicht geöffnet.  Groß war die Freude, dass wir Nils-Gustaf Renman aus dem Norden Schwedens in Acqui Terme wiedergetroffen haben. In Gallipoli saßen wir mit Nils vor den Partien immer auf einem Sofa auf der Terrasse des Spielhotels. In Acqui Terme war es nun eine schattige Bank vor der Kongresshalle. Es ist ein Genuss sich mit Nils zu unterhalten, besonders über die Deutsche Bahn. Nils gewann die Kategorie 75+ und wurde 8. in der Kategorie 65+. Über die Spritztour nach der Schlusszeremonie in meinem Jaguar hat er sich mehr gefreut als über seine erhaltenen Preise. Nils liebt die Deutsche Bahn und nun auch meinen Jaguar.

Hubert bei der EMm 42. 

 

Pfingstblitz

Bei einem flüchtigen Blick auf die Abschlußtabelle des Pfingstblitzturniers, daß am 28. Mai im Riemannhaus ausgetragen wurde, scheint der Turniersieg eine klare Sache für André Becker gewesen zu sein.

Tatsächlich wurde das Turnier erst mit der letzten laufenden Partie entschieden, in der sich André gegen Constantin durchsetzen und so aus einem halben anderthalb Punkte Vorsprung machen konnte.

Auch für den dritten Platz war die (verflixte?) siebte Runde ausschlaggebend: Thomas verpaßte diesen durch eine Niederlage gegen Torsten. Hier alle Ergebnisse:

Pfingstblitz_2026.png

 

Schach ist Glücksspiel

Vom Turnier in Bregenz hat uns Hubert einen Bericht geschickt:

„Schachspiel ist Glücksspiel“ pflegte unser Altmeister Heinz Selke immer zu sagen, wenn eine Partie einen nach dem Verlauf überraschenden Ausgang nahm. Volker
gab er häufig den Rat nicht den besten, sondern den zweitbesten Zug zu machen und wenn ich ihn aus seiner Eutiner Wohnung zum Schachabend abholte, wünschte
seine Frau ganz wie beim Kegeln immer: „Na, dann mal gut Holz“. Solche Weisheiten und Ratschläge sind immer ganz passend wie „der Ball ist rund“ und „das Runde
muss ins Eckige“.
Vom 10. Mai bis zum 17. Mai 2026 nahm ich wie im letzten Jahr an dem 10. Bodensee- Seniorenopen in Bregenz teil. An das Turnier im letzten Jahr habe ich
gute Erinnerungen. Ich startete mit 3 aus 3 und konnte am Ende nach 7 Runden ohne Niederlage mit 5 Punkten als Achter einige Titelträger hinter mir lassen.
Seitdem hat mich das „Glück“ verlassen und es gab seitdem nur noch bescheidene Turnierergebnisse. Dann ist Bregenz wohl ein „gutes Pflaster“, sagte mein
Wohnungsvermieter vor dem Turnier zu mir, als ich ihm von meinem Turnier im letzten Jahr in Bregenz erzählte. Tatsächlich machte ich mir Hoffnungen in Bregenz
wieder ein gutes Turnier zu spielen.
Das Turnier war wie in den Vorjahren international und mit vielen Titelträgern stark besetzt. Ich ging mit Startplatz 30 von 100 Teilnehmern in das Turnier und erwischte
mit einem Pflichtsieg einen guten Start. In Runde 2 hatte ich den belgischen FM Johan Goormachtigh als Gegner. Nach einer mehrzügigen Abwicklung kam ich mit
Minusbauern aus dieser heraus, wofür ich jedoch aufgrund der besseren Entwicklung und Druckspiel auf dem Damenflügel ausreichend Kompensation hatte. Die Partie
endete nach einer Zugwiederholung Remis. Zur „Belohnung“ bekam ich in Runde 3 die Nummer 1 des Turniers IM Henryk Dobosz, Elo 2310, zugelost. Ich spielte eine
gute Partie, hatte die etwas bessere Stellung und deutlich mehr Zeit. Leider ging ich zu sorglos mit diesem Zeitvorteil um und verbrauchte für naheliegende Züge zu viel
Zeit. Kurz vor der Zeitkontrolle verlor ich bei nun schon knapper Zeit einen Bauern, der mich auf die Verliererstraße brachte. Die 4. Runde brachte dann zu meinen
Ungunsten die Turnierwende. Ich hatte bei entgegengesetzten Rochaden mit Schwarz am Damenflügel einen guten Angriff bei geöffneter b-Linie und konnte mit
meinem Turm auf die 2. Reihe kommen. Doch auch mein Schweizer Gegner hatte am Königsflügel Angriff und nach einer Abwicklung kam ich mit einem Mehrbauern
heraus, was ich als vorteilhaft einschätzte, tatsächlich war jedoch die Stellung ausgeglichen. Ich lehnte ein Remis ab und verlor, da ich die Möglichkeiten meines
Gegners unterschätzte. Ich brauchte nun in der 5. Runde einen Sieg. Ich konnte mit Weiß im Königsspringerspiel im Caro-Kann bei wiederum entgegengesetzten
Rochaden mit einem Bauernopfer die g-Linie öffnen und bekam eine Gewinnstellung, die ich jedoch nicht gewinnen konnte. Die Partie endete Remis. In der 6. Runde
mühte ich mich in 64 Zügen zu einem Pflichtsieg und bekam auch in der Schlussrunde einen schlagbaren Gegner zugelost. In einem Holländer bekam ich
eine leicht bessere Stellung bei geöffneter f-Linie. Durch eine Unachtsamkeit verlor ich einen Bauern, was für mich zu einer schlechteren Stellung führte. Doch ich
kämpfte und erreichte nach 33. cxb6 folgende Stellung:

Dia1.png

Die Stellung ist äußerst misslich. Die weißen Freibauern auf d6, b6 und a4 sind sehr gefährlich. Aber auch ich verfüge mit den Bauern auf d4 und b4 über gefährliche
Freibauern. Ich entschloss mich, konsequent auf diese Freibauern zu setzen.
33...Lxd6 34.Tc6 b3 35.Txd6 Txd6 36.Sxd6 d3 37.Se4 Tc8 38.Tb1

Dia2.png

Immerhin habe ich die Bauern jetzt schon auf Kosten einer Figur nach b3 und d3 gebracht. Mein Plan war nun d2 zu spielen, um Tc1 folgen zu lassen. Aber solange
der Springer das Feld d2 kontrolliert, geht das nicht. Auf Lf5 oder Ld5 sind Springergabeln auf f6 und d6. Ich entschloss mich mit Ld5 den Läufer zu opfern, um
d2 spielen zu können.

38...Ld5 [Die Engine riecht den Braten und hält Lf1 für den stärksten Zug]
39.Sf6+ Kf7 40.Sxd5 d2 41.Td1?  [Sc7 oder Se3 hätte den großen Vorteil gehalten.]
[41.Sc7!; 41.Se3]
41...Tc1 42.Sc3 b2 43.b7

Dia3.png

Geschafft! Auf Kosten beider Läufer habe ich die Bauern nach d2 und b2 gebracht. Aber der Gegenüber benötigt auch nur noch einen Schritt zur Umwandlung.]
43...Txd1+ 44.Sxd1 b1D 45.Lf1 Dxb7 46.Lb5 Dxf3 47.Lc4+ [und Weiß gab auf. Heinz Selke würde sagen: "Schach ist Glücksspiel"]
0–1


Das Turnier gewann der Farörer IM John Rodgaard vor dem Tschechen FM Jan Bartos, jeweils 6 Punkte und dem Polen IM Henryk Dobosz mit 5,5 Punkten. Ich kam
mit 4 Punkten auf Platz 35 und konnte nach einem Jahr zum ersten Mal ein Elo-Plus von 0,1 Punkten erzielen. Es geht aufwärts!

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