Scheich matt? Halbzeit in Gallipoli

Den einzigen Ruhetag am Sonntag hat Hubert genutzt, um uns den folgenden Zwischenbericht von der Senioren-WM in Gallipoli zu senden.

Vielen Dank dafür und viel Erfolg in der zweiten Turnierhälfte!

 

Scheich matt? Halbzeit in Gallipoli

6 Runden sind bei der Seniorenweltmeisterschaft im italienischen Gallipoli gespielt und mein Ergebnis fällt mit 2 Punkten bescheiden aus. Obwohl mich das Ergebnis bislang noch nicht zufrieden stellen kann, genieße ich es doch, bei dieser Weltmeisterschaft dabei sein zu können. Das Flair dieses Turnieres ist beeindruckend, die Eröffnungsfeier war würdevoll und die Teilnehmerzahl mit 458 Spieler aus 64 Nationen aus allen Kontinenten wahrlich imposant. Ich bekam bislang Gegner aus 6 Nationen und drei verschiedenen Kontinenten zugelost und meine Tischnachbarn waren Inder, Brasilianer, Argentinier, Australier, um nur einige zu nennen.

Gleich zu Beginn bekam ich mit dem französischen Großmeister Jean-Luc Chabanon einen starken Gegner zugelost. Nach einem schlechten Königszug geriet ich in eine Verluststellung und musste kurz danach aufgeben. In Runde 2 machte ich mir gegen den Norweger Ole Martin Wiig mit einem schlechten Läuferzug das Leben schwer und musste ums Remis kämpfen. Sein Remisangebot war glücklich für mich. In Runde 3 erreichte ich gegen den Brasilianer Arnor Serafim Junior eine vorteilhafte Stellung, die ich jedoch durch einen schlechten Turmzug verdarb. Ich nahm seinen Springer auf a4, um den Läuferangriff auf b5 auf meinen Turm und meine Dame mit einer Mattdrohung zu entgegnen. Leider bedachte ich nicht, dass nun der Läufer ja nun nicht mehr auf f1, sondern auf b5 steht und meine Mattdrohung mit dem Turmzug nach f1 mit Angriff auf meine Dame entgegnet werden kann. Glücklicherweise konnte mein Gegner meinen Angriff bei knapper Zeit nicht bewältigen und ich gewann die Partie dennoch. In Runde 4 bekam ich den Engländer IM Graeme Buckley zugelost. Die Vorbereitung war gut, die Umsetzung schlecht. Mehr Widerstand hätte ich mir bei meiner Niederlage schon gewünscht. In Runde 5 spielte ich gegen den Italiener Raffaele Riga eine interessante Partie. Mit meinem Bauernzug e5 im 17. Zug leitete ich eine Verwicklung ein, die mit meinem Turmopfer auf f7 einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Mein Gegner musste das Turmopfer ablehnen, da mein Angriff sonst zu stark gewesen wäre. Ich hätte nun mit dem nachfolgenden Damenzug auf d7 eine gute Stellung erreichen können, doch ich sah nicht, wie ich den Turmzug auf d8 mit Angriff auf meine Dame begegnen kann, da ich dann meinen Turm auf f7 nicht mehr decken kann und zudem mein anderer Turm auf a1 ungedeckt ist. Doch Dd7 wäre der beste Zug gewesen, da nach Td8 der Hammer Lh6!! die Partie entschieden hätte, da meine Dame auf d7 wegen des Turmmattes auf f8 nicht zu nehmen gewesen wäre. Danach musste ich mit meinem Remisangebot die Reißleine ziehen.

Inzwischen ist in Gallipoli mein Coach (meine Frau Barbara) eingetroffen. Für Runde 6 bekam ich den kuwaitischen Scheich Khalaf Al Azmi zugelost. Auf meine Frage an meinen Coach wie ich den Scheich besiegen kann, bekam ich die Antwort: "Du musst den Scheich Scheichmatt setzen." Aber bitte wie setzt man einen Scheich Scheichmatt? Im 7. Zug schlug ich mit meinem Läufer seinen Springer auf c3 und verpasste ihm einen Doppelbauern auf der c-Linie, wovon ich mir positionellen Vorteil erhoffte. Meine Entscheidung im 17. Zug zu c5, um seinen schwarzfeldrigen Läufer aus dem Spiel zu nehmen, war keine gute. Das Feld d6 wurde schwach und er drohte nach Sf5! mit seinem Springer nach d6 zu kommen. Das konnte ich nicht zulassen und musste meinen weißfeldrigen Läufer gegen seinen Springer tauschen und spielte nun mit Doppelspringer und Turm gegen das Läuferpaar und Turm. In der Folge erwies sich das Läuferpaar als stärker - er bekam auf der a-Linie einen Freibauern, was mich eine Figur kostete. Dennoch war der Gewinn für Ihn nicht einfach. Aber mein Gegner spielte das souverän und ich musste mich im 62. Zug geschlagen geben. So war nicht der Scheich matt, sondern ich ermattet von meinem Spiel.

Irgendwie bin ich noch nicht in das Turnier gekommen, obwohl mein Spiel eigentlich nicht so schlecht ist, aber ich geriet bislang in jeder Partie durch einen schlechten Zug in eine schlechtere Stellung. Das muss sich ändern! Es sind noch 5 Punkte zu vergeben. Um jeden Punkt wird gekämpft!

André souverän

Keine Blöße gab sich André beim Saisonauftakt-Blitzturnier, das mit 7 Teilnehmern quantitativ leider nur schwach besetzt war. Mit sechs Punkten aus sechs Partien hatte er am Ende einen deutlichen Vorsprung vor den beiden "Verfolgern" Volker und Jan.

Am kommenden Donnerstag = 23. Oktober findet das erste Schnellschach-Turnier der Saison statt. Anpfiff ist pünktlich um 19:30 Uhr im Riemannhaus.

Tabelle Blitz 2025

Saisonstart missglückt

Vom ersten Saisonspiel der ersten Mannschaft in der Verbandsliga B hat uns Hubert einen Bericht geschick:

„Ein guter Saisonstart sieht anders aus“, sagte unser Käpt`n nach der 3:5-Pleite bei den Segeberger Schachfreunden. Dabei schien vor dem Kampf alles hoffnungsvoll zu sein. Mit Rüdiger, Jan und mir traten alle Neuzugänge an, und ich sagte beim gemütlichen Plausch mit den Segebergern vor dem noch verschlossenen Spiellokal: „Wir kommen mit der gesamten Neuverstärkung.“ „Verstärkung, das wird sich erst noch zeigen!“ wurde mir entgegengeschmettert.

Angesichts des missglückten Saisonstartes fühle ich mich an den Saisonstart 1987 erinnert. Damals kamen mit Andreas Hein, Volker Gülke und Heiko Frese drei starke Neuzugänge zu den Eutinern Im Ostholsteiner lautete am 08.10.1987 die Überschrift: „Verstärkung geholt!“. Doch auch damals ging der Saisonstart daneben. Bei Post Lübeck II gab es mit 3,5:4,5 eine ernüchternde Niederlage. Volker und Andreas verloren, Heiko gelang immerhin ein Remis. Auch jetzt holten die drei Neuzugänge lediglich einen halben Punkt.

Der Kampfverlauf ist schnell erzählt: Andreas, Jan, Olaf, Markus und Rolf einigten sich in dieser Reihenfolge mit ihren Gegnern auf Remis wobei Andreas und Jan zeitweise gut standen, Olaf mit einem Bauern weniger eher schlechter. So stand es 2,5:2,5 und Volker und ich kämpften ums Remis, während die Stellung von Rüdiger noch aussichtsreich aussah, so dass Hoffnung auf ein 4:4 bestand. Irgendwie muss Rüdiger dann ein Missgeschick unterlaufen sein, denn er musste seine Partie aufgeben. In der Zwischenzeit hatte ich mein Turmendspiel nicht optimal behandelt und stand auf Verlust und musste kurz darauf ebenfalls aufgeben. Damit war der Kampf entschieden und wenigstens Volker holte uns trotz Minusbauern im Turmendspiel wenigstens noch einen halben Zähler.

Kalaschnikow

Vom Seniorenturnier in Büsum hat uns Hubert folgenden Bericht für die Homepage geschickt:

Wie mir mein Gegner in der 2. Runde bei den 19. Offenen Seniorenmeisterschaften von Schleswig-Holstein in Büsum nach der Partie erklärte, nennt man die Variante mit den Zügen 1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. d4 cd4: 4. Sd4: e5 5. Sb5 d6 die Kalaschnikow-Variante im Sizilianer. Warum gerade diese Variante Kalaschnikow genannt wird, wo doch die Sweschnikow-Variante mit den im 5. und 6. Zug eingeschobenen Zügen Sf6 und Sc3 doch sehr viel schärfere Stellungsbilder ergibt, konnte mir mein Gegner nicht erklären. Diese Variante hat ungefähr die Wirkung einer Wasserpistole. Die Partie endete ohne besondere Vorkommnisse nach 22 Zügen Remis.

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Meines Wissens ging niemand der 216 Spieler aus immerhin 9 Ländern mit einer Kalaschnikow ans Brett. Das Turnier fand wie immer in einer sehr friedlichen Atmosphäre statt. Streitfälle gab es keine. Das Turnier war bestens organisiert. Die Spielbedingungen hervorragend und das Wetter mit Wind, Regen und Sonnenschein typisch Büsum-Wetter.

Sehr friedlich spielte Torsten seine Partien. Immer wenn ich guckte stand Torsten solide und ausgeglichen und ich hatte nicht das Gefühl, dass er diese Partie verlieren könnte. Und tatsächlich: Am Ende stand meist mindestens ein Remis. Wie ein Eichhörnchen sammelte Torsten seine Nüsse in Form von halben oder ganzen Punkten. Am Ende hatte Eichhörnchen Torsten 4 Punkte gegen allesamt elostärkere Gegner als Wintervorrat zusammengesammelt. 33 Elopunkte hinzugewinn sind der Lohn. Eine gute und solide Turnierleistung!

Rüdiger startete letztes mit 5 Punkten aus 6 Partien in das Turnier. Auch in diesem Jahr erwischte er einen guten Start. Nach einem Pflichtsieg in der ersten Runde setzte er mit einem Sieg in Runde 2 gegen Joachim Neumann ein kräftiges Ausrufezeichen. Danach bekam er mit Siegmund Kolthoff, Friedbert Prüfer, Erich Krüger, Ralf Schober und Hansuli Remensberger allesamt Gegner mit einer Elozahl von deutlich über der 2000er Marke zugelost, die ich von vergangenen Turnieren aufgrund ihrer Spielstärke als gefährliche Gegner in Erinnerung habe. Sein Sieg über das Urgestein Erich Krüger war eine Glanzleistung. Am Ende standen 4,5 Punkte und 18 Elopunkte plus auf dem Konto. Sehr respektabel!

Ich spielte die ersten fünf Runden sehr effektiv. Zwei Schwarzsiege in 26 Zügen in Runde 1 und 3 und mit drei Kurzremis in Runde 2, 4 und 5 hatte ich mit durchschnittlich gespielten 21 Zügen je Partie 3,5 Punkte auf dem Konto. Von Brett 52 hatte ich mich an Brett 12 vorgekämpft und war in der „Holzklasse“ angekommen. In Runde 6 hatte ich mit Walter Strobel einen ehemaligen Bundesligaspieler als Gegner. Ich erarbeitete mir eine gute Stellung und leitete im 21. Zug eine vielversprechende Kombination ein, die mit einem Figurengewinn geendet hätte, wenn ich den finalen Zug Sc7+ gesehen hätte. Nicht so schlimm! Die Fortsetzung, die ich fand, war qualitativ fast gleichwertig und ich hatte nun in einem Doppelturmendspiel mit den zwei Freibauern auf a6 und b3 einen Bauern mehr bei besserer Bauernstruktur. Nach langem Nachdenken zog ich a7? um dann mit meinem Turn auf die 7. Reihe zu gelangen und danach auf der 7. Reihe zu verdoppeln. Mein Gegner zog Tb7! und verschmähte meinen Bauern auf b3. Richtig wäre gleich Tc7! gewesen und die Stellung meines wäre kaum zu gehalten gewesen. Ich quälte mich noch bis zum 58. Zug in einem Doppelturmendspiel mit Mehrbauern, doch mein Gegner hielt mit viel Routine und Erfahrung die Partie Remis. Auch in Runde 8 spielte ich eine starke Partie. Meine beiden Läufer auf b1 und b2 schossen wie Giftpfeile auf den gegnerischen König. Meine Dame stand auf c3 bzw. c2 goldrichtig. Das Ganze wurde mit meinem Turm auf g3 kraftvoll unterstützt. Der Springer auf f6 meines Gegners schien die ganze Stellung zu halten. Den wollte ich nun mit meinem Springer abtauschen, um den finalen Schlag zu setzen. Genau in diesem Moment übersah ich, dass ich mit Tg7! die Stellung schon vorzeitig aus den Angeln heben konnte. Nach einem starken Damenzug bot mein Gegner Remis. Ich lehnte ab, da ich es nicht wahrhaben wollte, dass mein Vorteil sich mit einem Zug in Luft auflöste und verlor die Partie am Ende. Am Ende standen 4 Punkte aus 8 Partien und ein Verlust von 6 Elopunkten. Insgesamt kann ich jedoch mit einer Turnierleistung zufrieden sein, mit dem Ergebnis in Runde 6 und 8 jedoch nicht.

Im nächsten Jahr werde ich sicher wieder dabei sein. Wer auch Interesse an dem schönen Turnier hat, sollte sich den Termin 24.09.2026 bis 02.10.2026 schon einmal vormerken und sich schon gleich im Frühjahr, wenn die Ausschreibung erfolgt, anmelden. Das Turnier ist heißbegehrt!

Schnellschach der Senioren im Riemannhaus

Am vergangenen Sonntag war der Eutiner Schachverein Ausrichter der Schnellschachmeisterschaft der Senioren im Bezirk Ost.

Oliver Scharf hatte als Seniorenreferent fleißig die Werbetrommel für das Turnier gerührt. Zusammen mit Mike Schlüter (Segeberg) übernahm er auch die Turnierleitung vor Ort.

Die 20 Teilnehmer spielten fünf Runden im Schweizer System. Trotz der kurzen Distanz konnte sich DWZ-Favorit Viktor Polischuk (Norderstedt) ungeschlagen mit einem ganzen Punkt Vorsprung den Titel sichern.

Auf den beiden anderen Podiumsplätzen landeten mit jeweils 3,5 Punkten Jan Haserodt und Rolf Bohl. Der fünfte Platz von Rainer Gehrmann, gleichbedeutend mit dem Nestorenpreis, rundete das erfreuliche Eutiner Ergebnis ab.

Sowohl auf der Seite des Landesverbandes als auch auf der des Lübecker Schachvereins sind zwei Artikel zu dem Turnier zu finden nebst einem Link zu allen Ergebnissen.

Danke an alle Helfer, die durch Kuchenbacken, Abwaschen, Auf- und Abbauen usw. zum guten Gelingen des Turniers beigetragen haben.

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